Donnerstag, 15. Mai 2014

Rede des Stadtverordneten Thomas Kirchner zur Altstadtbebauung am 3. April 2014


Sehr geehrter Stadtverordnetenvorsteher,
meine sehr geehrten Damen und Herren!


Mit der heute zu verabschiedenden Vorlage NR 838 „‘Typisch Frankfurt‘ - Frankfurts Geschichte neu bauen“ werden gestalterisch grundlegende Entscheidungen zu einer Reihe von Fragen der Fassadengestaltung sowohl bei den zu rekonstruierenden Gebäuden als auch bei den Neubauten auf den Weg gebracht. Der Antrag steht am Ende eines Prozesses, der 2006 mit der Beauftragung einer vertieften Planung der Altstadt mit klar definierten Eckpunkten durch die Stadtverordnetenversammlung begann. In der Folge wurde die Gestaltungssatzung für das Dom-Römer-Areal entwickelt und ein Gestaltungsbeirat als Expertengremium berufen. In der Gestaltungssatzung wurde insbesondere Wert auf die Einhaltung bestimmter Vorgaben hinsichtlich Kubatur, der zu verwendenden Materialien, der Anordnung der Fenster, der Dachgeschossformen gelegt. Der Gestaltungsbeirat prüfte die Einhaltung dieser Vorgaben und gab Empfehlungen an die Architekten zur Überarbeitung ihrer Entwürfe.

So konnte ein homogenes Gesamtbild in Zusammenspiel der Rekonstruktionen und Neubauten, die nun anstelle des technischen Rathauses im Herzen unserer Stadt entstehen, sichergestellt werden. Der vorliegende Antrag geht in einer sehr detaillierten Form auf die letzten offenen Fragen zur Gestaltung der Fassaden der neu entstehenden Altstadt Frankfurts ein. Er spiegelt damit die langen, oftmals anstrengenden und intensiven Diskussionen im Gestaltungsbeirat, aber auch mit Altstadtinitiativen, der Verwaltung und innerhalb der beteiligten politischen Gremien wider.

Ich möchte mich daher an dieser Stelle bei den Mitgliedern des Gestaltungsbeirates, der unter der Leitung von Professor Mäckler arbeitet, ganz herzlich für dessen Engagement bedanken.

                              (Beifall)

Vielen war und ist teilweise immer noch nicht ganz bewusst, was der Aufbau des Kerns unserer Stadt bedeutet, welches bauliche Neuland damit betreten wird und wie komplex die zu seiner Realisierung notwendiger Abstimmungsprozesse sind. Einer, der dies ganz besonders weiß, ist der Vorsitzende des Sonderausschusses „Dom-Römer“, Ulrich Baier, der an der Schnittstelle zwischen Bürgerinnen und Bürgern, Stadtverordneten, Magistrat und Gestaltungsbeirat handelt. Ich weiß, dass dies nicht immer vergnügungssteuerpflichtig ist und vielleicht auch für den ein oder anderen unruhigen Schlaf verantwortlich sein mag. Dafür, lieber Herr Baier, mein herzliches Dankeschön!

                              (Beifall)

In der Tat ist die Wiederherstellung von Teilen der historischen Altstadt Frankfurts in vielerlei Hinsicht ein Novum. Wie baut man Häuser, die ihren über 500 Jahre alten historischen Vorbildern gerecht werden, aber die hessische Bauordnung des Jahres 2014 einhalten? Wie baut man Fachwerkhäuser, die den Standards moderner Wärmedämmung, Schallschutz- und Brandschutzverordnungen genügen? Es ist nämlich nicht so, als würden wir Fachwerkhäuser sanieren, also etwas tun, wo diese Standards in dieser Form nicht einzuhalten sind. Das Gesetz und die Verwaltungsvorschriften sehen diese Häuser als das, was sie trotz ihrer historischen Erscheinung sind, nämlich Neubauten. Dies alles miteinander in Einklang zu bringen, war und ist die große Kunst im Rahmen der Altstadtbebauung. Dazu waren entsprechende Abstimmungs- und Koordinierungsrunden, an denen viele Experten aus den unterschiedlichen Bereichen teilnahmen, erforderlich. Die Vorlage NR 838 ist auch ein Ergebnis daraus und schließt nun letzte Fragen der Gestaltung der Fassaden weitestgehend ab. Damit ist eine wichtige Voraussetzung für die bauliche Umsetzung geschaffen.

Wer von uns hätte im Jahre 2006, als im Zusammenhang mit der Zukunft des Technischen Rathauses die Idee der historischen Bebauung geboren wurde, gedacht, dass am Ende dieses Prozesses eine kleinteilige Bebauung von 35 Häusern, 15 davon als Rekonstruktionen, entstehen würde. Nichts ist attraktiver als eine Idee, deren Zeit gekommen ist. Dies zeigt sich zuletzt in der überwältigenden Nachfrage nach Wohnungen und Gewerberäumen im Altstadtareal bei der seit Anfang April laufenden Vermarktung. 866 Interessenten für Wohnungen und 63 für Gewerbeflächen haben sich mittlerweile gemeldet. Weitere zehn Interessenten, vornehmlich Museen und Stiftungen, haben ihr Interesse am Engagement in der Altstadt bekundet. Dies zeigt, dass unsere Altstadt, die auch als Reaktion der Politik auf den deutlichen Wunsch vieler Frankfurterinnen und Frankfurter in ihrer jetzigen Form wieder entsteht, von diesen bereits jetzt schon angenommen und mitgetragen wird. So viel auch zu den Unkenrufen einiger hier im Hause, die nicht müde wurden zu verkünden, die Altstadt würde keiner benötigen und auch keinen Interessenten finden. Dieses Argument haben die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt glänzend widerlegt.

                              (Beifall)

Ich will an dieser Stelle auch darauf eingehen, dass die Investitionen in den historischen Kern unserer Heimatstadt natürlich auch mit Kosten verbunden sind - Kosten, die nicht alleine aus der Vermarktung der Häuser gedeckt werden. Wir waren uns aber alle im Klaren darüber, dass diese kleinteilige Bebauung nicht zum Nulltarif zu haben sein wird. Ansonsten hätten wir das Technische Rathaus nicht abreißen müssen oder hätten es einfach, wie vom damaligen Baudezernenten Dr. Wentz seinerzeit favorisiert, durch einen ebenso monströsen wie ahistorischen Hotelkomplex ersetzt. Das hätten wir den Frankfurterinnen und Frankfurtern aber nicht vermitteln können. Ich sage dies sehr deutlich: Wir als CDU wollten dies auch nicht.

Die Gründe für den Anstieg der Kosten sind vielschichtig. Sie lassen sich durch vorgenommene Anpassungen in den vergangenen sieben Jahren erklären. Dazu zählt die Erhöhung der Anzahl der zu bauenden Häuser von 34 auf 35, ebenso wie die Erweiterung der Anzahl der Rekonstruktionen von seinerzeit sechs auf 15. Höhere Anforderungen an den Brand- und Schallschutz sowie Fragen der Wärmeisolierung trugen insbesondere bei den komplexen Rekonstruktionen dazu bei. Zu nennen sind auch Faktoren, die nicht originär im Rahmen der Altstadtbebauung vorgesehen waren, aber durch den Abriss des Technischen Rathauses erforderlich wurden, wie die Sanierung der Tiefgarage. Zudem sind bei einer Zeitspanne von sieben Jahren auch die allgemeinen Preissteigerungen ein signifikanter Faktor. Die nach dem Vorliegen aller Kosten und Erträge erreichte Planungssicherheit ist auch ein Ergebnis der Einbindung der Bürgerinnen und Bürger, über Planungswerkstätten, Informationsveranstaltungen und im Rahmen der parlamentarischen Arbeit sowie der oft kritisierten Klärung grundsätzlicher und juristischer Fragen. Dies ist ein unerlässlicher Teil des demokratischen Gestaltungs- und Entscheidungsprozesses und daher eine Notwendigkeit. Gleiches gilt für die Einhaltung der definierten Qualitätsstandards, hier schließt sich der Kreis, die Ausdruck in dem nun vorliegenden Antrag sind.

Die Koalition hat der Kostenentwicklung in mehreren Bereichen entgegengewirkt. Dazu zählen der Verkauf von sechs der ursprünglich acht für den städtischen Besitz vorgesehenen Häuser und die geöffnete Vermarktung der optionalen Rekonstruktionen. Die Koalition aus CDU und GRÜNEN ist sich der geschichtlichen Bedeutung der Bebauung dieses zentralen Platzes Frankfurts bewusst. Denn es geht hier nicht einfach um Stadtgestaltung oder um Stadtreparatur. Es geht um nichts weniger als die Rückbesinnung auf die große Vergangenheit dieser Stadt, für die das Kleinod der Frankfurter Altstadt vor seiner Zerstörung einmal stand. Es geht letztendlich darum, ein Stück Geschichte wieder zurückzugewinnen und damit einen Ort der Identifikation für alle Frankfurterinnen und Frankfurter zu schaffen.

                              (Beifall)

Wir haben als CDU 2006 gesagt, wir geben der Altstadt ihr Gesicht zurück. Das ist ein Versprechen - das kann jeder sehen -, das wir einlösen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

                              (Beifall)
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen