Dienstag, 24. Juni 2014

Frankfurter Altstadt: "Goldene Waage" entsteht wieder neu!


Als die Frankfurter Altstadt in der Nacht vom 22. auf den 23. März 1944 in Schutt und Asche gebombt wurde ging auch Frankfurts schönstes Fachwerkhaus, die Goldene Waage, in Flammen auf. Niemand hätte damals damit gerechnet, dass dieses einzigartige Gebäude jemals wieder zu sehen sein würde. Mit dem Abtragen der Überreste Anfang der 1950ger Jahre schien das Schicksal des Gebäudes endgültig besiegelt. Damals verhökerte die Stadt zu einem Spottpreis das gesamte Erdgeschoss des Kleinods an einen Privatmann. Später wurden die Fragmente Teil eines Gebäudes in Dreieichenhain. Dies stellt sich nun als Glücksfall heraus, denn so konnten die Originalteile, auch Spolien genannt, die Jahrzehnte geschützt überdauern.

Die Tatsache, dass vor dem Bombardement auch Teile der Einrichtung (Möbelstücke und Bilder) Sicherheit gebracht wurden und wenige weitere Originalteile wie ein Auslegerarm, Schmiedeeiserne Gitter und Reste der Holzverzierung nach der Zerstörung geborgen und im Historischen Museeum eingelagert wurden stellt einen Grad an Authensität dar den keine andere Rekonstruktion aufweist. Die Nutzung des Gebäudes kurz vor dem Ersten Weltkrieg als Dependance des Historischen Museums führte zu einer intensiven Dokumentation, was für den Wiederaufbau von unschätzbarem Wert ist.

So werden anhand der Überbleibsel, sofern sie nicht von ihrem jetzigen Standort in Dreieichenhain ausgebaut und wieder in die Altstadt zurückgebracht werden, Abdrücke hergestellt anhand derer Kopien aus dem typischen Mainsandstein entstehen. Die geretteten Holzverzierungen dienen Schreinern zur Klärung der damals Verwendeten Technik und Arbeitsweise, sodass die neu entstehenden Holzarbeiten möglichst nah am Original sind. Farbreste am aufgrund seiner starken Zerstörung nicht mehr als Spolien in den Neubau integrierbaren Ausleger werden analysiert, um eine möglichst authentische Farbgebung zu erreichen. So helfen die Überbleibsel der alten Goldenen Waage mit, die neue Goldene Waage wieder entstehen zu lassen.

Aber nicht nur das Gebäude selbst wird wieder nachgebaut. Mit dem berühmten Belvederchen, eine Terrasse mit einem einmaligen Ausblick über die Altstadt und auf den Dom, erhält die Dachlandschaft der Altstadt ihre ursprüngliche Struktur zurück. Sogar der dort vorhanden gewesene Brunnen, der einer Grotte nachempfunden war und aus Taunusschiefer und Lavabruch bestand, wird an seinen Platz zurückkehren.

Auch für die zukünftige Nutzung der Goldenen Waage gibt es konkrete Vorstellungen. Im Erdgeschoss ist Gastronomie vorgesehen. Die Nutzung in den Stockwerken darüber entspricht der vor der Zerstörung: Als eine Dependance des Historischen Museems werden die Räume dort als Beispiel für ein Frankfurter Bürgerhaus des frühen 18. Jahrhunderts hergerichtet. Wenn alles nach Zeitplan verläuft wird die Goldene Waage im März 2017 fertig sein.